Nachhaltig Wäsche waschen

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema und beschäftigt glücklicherweise immer mehr Menschen. Aktuelle katastrophale Folgen des Klimawandels, die mittlerweile auch in Europa immer mehr zu spüren sind, regen zu einer dringend notwendigen Verhaltensänderung an. Damit es auch eine glückliche Zukunft für die nächsten Generationen gibt.

Nachhaltigkeit im Alltag – was bedeutet das überhaupt?

Zunächst kann ich Sie beruhigen, es geht beim Thema Nachhaltigkeit nicht darum allen Vorteilen unserer modernen, hochindustrialisierten Welt abzuschwören und nun wieder vorindustriell zu leben. Wichtig wäre jedoch, wenn sich alle zumindest in kleinen Stücken immer nachhaltiger verhalten, denn nur gemeinsam ist wirklich ein großer Hebeleffekt möglich. Durch eine große Anzahl an Menschen, die nachhaltigere Produkte und Lebensweisen unterstützen und fordern, kann zusätzlich entsprechend Druck auf den Markt ausgeübt werden.

Nachhaltigkeit zeichnet sich in allen Bereichen durch ein Stufenprinzip aus, wobei die erste Stufe bevorzugt und nur wenn wirklich nötig auf eine darunterliegende ausgewichen werden soll. Stufe 6, der Neukauf, ist der „worst case“, der nur wenn alles andere nicht möglich ist, umgesetzt werden soll:

1. Vermeiden von Neukonsum (effiziente Nutzung von dem, was man schon hat)
2. Reparatur von Bestehendem
3. Dinge selbstmachen und alte Dinge „upcyclen“
4. Tauschen oder leihen (gemeinsame Nutzung)
5. Second Hand Ware kaufen
6. Neukauf

Zugegeben, in der Theorie klingt das nun teilweise schwierig und sehr abstrakt. Viele Menschen fragen sich, was sie als Einzelne/r ganz konkret im Alltag ändern können, um ein Stück weit nachhaltiger zu leben, weshalb ich heute ein Thema, das alle Haushalte betrifft, unter Nachhaltigkeitsaspekten betrachten möchte: Wäsche waschen.

Was bedeutet das für mich konkret beim Wäschewaschen?

Man kann diese Nachhaltigkeitskriterien in unterschiedlicher Form auf diverse Aktivitäten im Haushalt umlegen. Beim Waschen von Wäsche kann man sie sowohl auf den Waschvorgang selbst, als auch auf die nötigen elektrischen Geräte (Waschmaschine, Trockner) umlegen. Wichtig ist ein grundsätzliches Um- und Nachdenken, bevor man Aktivitäten setzt. Denken Sie daran, dass jeder Waschgang Ressourcen in Form von Wasser (rund 60 Liter pro Waschgang) und Energie (1kWh bei 60 Grad Wäsche im EU-Normprogramm) sowie Waschmittel verbraucht und konventionelle Waschmittel die Umwelt im Abbauprozess schwer belasten können.

Stufe 1: Nutzen, was man schon hat /Vermeiden von Neukonsum

So wenig waschen wie möglich, aber so viel wie nötig ist die Devise!
Nicht jedes Kleidungsstück muss ständig gewaschen werden, manche sind durchaus nach einigen Stunden auslüften erneut tragbar. Machen Sie einen einfachen Geruchstest.

Jeder Waschgang ist für die Kleidung eine Belastung, die Struktur nimmt Schaden und Farben werden, je öfter gewaschen wird, immer blasser. Im Sinne von Nachhaltigkeit ist auch darauf zu achten, Ihre Wäsche möglichst lange tragen zu können und somit keine neue kaufen (erzeugen) zu müssen.

Bei Flecken auf der Kleidung ist jedoch eine Wäsche meist unumgänglich, sofern diese nicht kleinflächig und nur mittels Vorbehandlung zu entfernen sind.

Tipp: Behandeln Sie Flecken generell vor – umweltschonend und günstig geht das durch das Auftragen von Gallseife (erhältlich im Drogeriemarkt).

Was muss ich beachten, wenn ich nun waschen möchte?

  • Sammeln Sie möglichst viel Wäsche für einen Waschgang.
  • Trennen Sie die Wäsche nach weißer Wäsche, hellen und dunklen Farben.

Tipp:

Mit (ökologischen) Farbfangtüchern können Sie ein Verfärben der Wäsche verhindern, wenn die Trennung bei einzelnen Stücken nicht so klar ist. Mit gefärbten Farbtüchern können Sie schwarze Wäsche wieder auffrischen und so Ihre Kleidung länger nutzen.

  • Waschen Sie erst, wenn Sie die Maschine ziemlich voll beladen können – Achtung jedoch vor Überbeladung! Man sollte noch gut mit der Faust die Rückwand der Waschmaschine berühren können.
  • Drehen Sie Ihre Kleidung vor dem Waschen auf Links und schließen Sie Reißverschlüsse und Knöpfe, damit während des Waschgangs möglichst wenig beschädigt wird.
  • Nutzen Sie Ihr bestehendes Gerät, kaufen Sie kein neues, solange das alte gut funktioniert und einen vertretbaren Energieverbrauch hat.
  • Wenn Sie waschen, nutzen Sie das für Ihre jeweiligen Anforderungen passende Waschprogramm (siehe Bedienungsanleitung Ihrer Waschmaschine) und bevorzugen Sie die Energiesparprogramme, die zwar länger dauern, aber durch spezielle Verfahren weniger Energie benötigen.
  • Bevorzugen Sie generell niedrige Temperaturen (30 Grad ist für normale Kleidungsstücke ausreichend) – Ihre Kleidung und die Umwelt werden es Ihnen danken. 60 Grad benötigen Sie nur für bestimmte Wäsche und ist für viele Kleidungsstücke gar nicht geeignet (siehe Hinweise auf den Etiketten). Sie können das 60 Grad Programm aus hygienischen Gründen für Handtücher, Putztücher sowie Bett- und Unterwäsche sowie selektiv nach Bedarf, etwa nach Krankheiten, nutzen. Hin und wieder (!) hilft eine 60 Grad Wäsche Keime in der Waschmaschine zu entfernen und ist deshalb auch ökologisch vertretbar. Grundsätzlich reinigen heutige Waschmaschinen und Waschmittel aber bereits bei niedrigen Temperaturen sehr gut!
  • Verzichten Sie, wenn möglich, auf den Erwerb und die Nutzung eines Wäschetrockners. Wäsche trocknet an der frischen Luft sehr gut, riecht besser und verbraucht damit keinerlei Strom. Wenn keine Trocknung im Innen- oder Außenraum möglich ist, bevorzugen Sie energiesparende Modelle eines Wäschetrockners (bevorzugt gebraucht, oder in Gemeinschaftsnutzung siehe Stufen 4-6). Wird die Wäsche draußen aufgehangen, benötigen Sie durch den Wind auch keinerlei Weichspüler (ebenso wie bei Trocknung im Trockner).

Wissenswertes zum Waschmittel

  • Dosieren Sie Ihr (nach Möglichkeit ökologisches Waschmittel) passend zum Verschmutzungsgrad, Menge und Wasserhärte. Häufig wird Waschmittel überdosiert, was der Geldbörse, der Umwelt und der Kleidung schadet.
  • Nutzen Sie selbstgemachtes (siehe Stufe 3) oder umweltfreundliches Waschmittel (siehe Stufe 6).
  • Brauchen Sie bereits gekaufte Waschmittel auf, bevor Sie auf nachhaltigere Varianten umstellen. Alles was bereits besteht, wurde bereits mit hohem Energie- und Ressourcenaufwand produziert und transportiert.

Tipp:

Nutzen Sie Vollwaschmittel nicht für bunte oder dunkle Farben, da es Bleichstoffe enthält und somit die Farben verblassen lässt. Vollwaschmittel ist für weiße Wäsche und solche, die mit höheren Temperaturen gewaschen wird, geeignet. Bei färbiger Wäsche sollten Sie Colorwaschmittel verwenden, um dem Ausbleichen vorzubeugen. Für feine Textilien wie Wolle oder Seide gibt es spezielles Feinwaschmittel.

Stufe 2: Reparieren statt Ersetzen

Reparieren von Bestehendem betrifft nun vor allem Ihre Geräte. Wenn es Probleme gibt, versuchen Sie diese zu reparieren, bevor Sie sie wegwerfen und sich eine Alternative überlegen.

Tipp: Sie können diesen Grundsatz auch für Ihre Kleidung anwenden. Oft lassen sich kleine Schäden einfach mit Nadel und Faden (oder in komplizierteren Fällen von einer fachkundigen Schneiderin) beheben und Sie haben länger Freude an Ihrer Lieblingskleidung.

Waschmittel selbst herstellen - DIY

Stufe 3: Do it yourself! DIY

Aus einfachen Zutaten wie Gallseife, Waschsoda und Zitronensäure können Sie Waschmittel auch selbst herstellen. Zahlreiche Rezepte finden Sie mit Google.

Tipp:

Ein Tütchen Backpulver sorgt für strahlend weiße Wäsche ohne Chemie! Etwas (weißer) Essig (ca. 3060ml) ersetzt den Weichspüler, schützt die Maschine vor Kalk und befreit Ihre Kleidungsstücke von Waschmittelrückständen.

Möchten Sie Ihr Waschmittel weiterhin unkompliziert im Einzelhandel einkaufen, ist auch das auf eine ökologischere Art möglich, wenn Sie zukünftig Produkte mit entsprechenden Gütesiegeln (siehe Stufe 6) nutzen.

Stufe 4: Gemeinsame Nutzung oder Tausch

Nutzen Sie Gemeinschaftsgeräte, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben. In einem Mehrparteienwohnhaus benötigt nicht jede einzelne Wohnung eine eigene Waschmaschine und Trockner. Die gemeinsame Nutzung spart jedem Mieter Kosten und es ist möglich höherwertige und energiesparendere Geräte anzuschaffen. Da man nicht ständig waschen kann und möglicherweise pro Waschgang eine Gebühr bezahlt, wird die Nutzung besser überlegt und nur dann vorgenommen, wenn es tatsächlich nötig ist (siehe Punkt 1).

Gibt es in Ihrer Wohnhausanlage noch keine Gemeinschaftswaschküche, können Sie dies vielleicht anregen, vermutlich wären auch andere und vor allem junge Neumieter froh, wenn ihnen die hohen Anschaffungskosten beim Einzug erspart blieben. Gleichzeitig wäre es eine Win-Win Situation für Mieter und Umwelt.

Man kann – je nachdem, wie die Kosten aufgeteilt werden – auch eine gemeinsame Nutzung von hochwertigen, ökologischen Waschmitteln andenken.

Bevor man sich einen Neukauf überlegt, sollte auch die Nutzung eines Waschsalons, die zumindest in städtischen Gebieten meist unkompliziert zu erreichen sind, in Erwägung gezogen werden.

Vielleicht ist auch ein Tausch Ihres Geräts mit anderen Personen möglich, weil, beispielsweise aufgrund eines Umzugs, ein Gerät nicht mehr benötigt wird.

Stufe 5: Second Hand Ware kaufen

Benötigen Sie nun definitiv ein anderes Gerät für Ihre Wäsche, als das, was Sie bisher hatten, da es eben unreparierbar kaputt ist und es keine Gemeinschaftswaschküche gibt, schauen Sie doch einmal in die Online Kleinanzeigen- und Verkaufsportale von privaten Verkäufern. Dort finden Sie häufig noch gut erhaltene Geräte zu günstigen Preisen.

Stufe 6: Neukauf

Wenn Sie kein passendes Gebrauchtgerät gefunden haben und auch nicht in einen Waschsalon gehen möchten oder können, bleibt nur noch der Neukauf, denn Schmutzwäsche fällt leider immer an. Achten Sie bei jedem Kauf darauf, dass das Neugerät energiearm wäscht und ökologischen Kriterien (sparsamer Verbrauch von Wasser und Waschmittel, Energiesparprogramme) entspricht.

Bevorzugen Sie, wenn möglich, einen Kauf beim lokalen Händler anstelle des anonymen Internethandels. Konfrontiert man lokale Händler mit günstigeren Internetpreisen für dasselbe Modell ist manchmal eine Preisreduktion möglich. Probieren Sie es doch einfach einmal aus, indem Sie (freundlich!) nachfragen.

Der Neukauf betrifft auch Ihre Waschmittel. Achten Sie beim Einkauf auf Umweltgütesiegel, wie den „Blauen Engel“ (Deutsches Umweltzeichen), das EU-Ecolabel, das „Nature Care Product“-Siegel oder „EcoCert“ und „Ecogarantie“.

Blauer Engel Umweltzeichen   EU Ecolabel   Nature Care Product   EcoCert Siegel   Eco Garantie

Bevorzugen Sie wiederbefüllbare Verpackungen bzw. Waschmittel in Nachfüllbeuteln, Tabletten, die selbst zuhause mit Wasser vermengt werden können und Produkte mit Verpackungen aus Recyclingmaterial.

Fotos: pixabay.com, Vergabestellen der Gütesiegel

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