Der Angriff auf Evotec

Lakewood vs Evotec

Am 4. Oktober 2017 ist die Welt noch in Ordnung. Auch im Hamburger Stadtteil Langenhorn scheint einen Tag nach dem „Tag der Deutschen Einheit“ die Sonne. Nicht nur real oberhalb der Evotec-Firmenzentrale – sondern auch im Herzen und in den Gesichtern der Mitarbeiter. Das „Facebook und/oder Amazon für Pharma- und Biotechfirmen“ wächst und gedeiht prächtig. Viele Jahre dümpelte der Aktienkurs zwischen 2 und 4 Euro herum. Heute hat er seinen Höchststand erreicht! 22,50 Euro! Das entspricht einem Börsenwert von 3,32 Milliarden Euro. Ein toller Tag für den Vorstandsvorsitzenden Dr. Werner Lanthaler und sein Team. Die Korken knallen.

Evotec ist ein solides deutsches Unternehmen

Das Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmen Evotec wurde 1993 gegründet, beschäftigt weltweit über 1200 Mitarbeiter, machte 2016 einen Umsatz von 164 Millionen Euro und zählt zu den großen Hoffnungen im deutschen TecDax (Index der 30 größten Technologieunternehmen). 22,50 waren dann aber doch etwas viel. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) lagen deutlich oberhalb von „Normal“. Dunkle Wolken über Hamburg -Langenhorn… Die überteuerte Aktie lockte ziemlich schnell einige besonders agressive Leerverkäufer auf den Plan. Allen voran Lakewood Capital Management. Das New Yorker Hedgefonds-Unternehmen rief sogar ein Kursziel von unter 10 Euro aus. Die Frankfurter und New Yorker Lakewood-Mannen machten sich dann auch gleich selbst ans Werk und trieben den Kurs durch millionenschwere Leerverkäufe in die gewollte Richtung…


Was sind Leerverkäufe?

Bei Leerverkäufen setzen Spekulanten auf fallende Kurse. Dazu leihen sie sich Aktien für eine Gebühr von meist um die 2% des Aktienwertes und verkaufen diese Aktien (die sie eigentlich gar nicht besitzen!). Wenn ihre Wette aufgeht (also der Kurs der Aktie sinkt), erwerben sie die Aktien entsprechend günstiger und geben sie dem Verleiher zurück. Die Differenz zwischen dem Leerverkaufspreis und dem Rückkaufpreis ist dann der Gewinn. Gefährlich werden erfolgreiche Leerverkäufe, wenn sie wie in unserem Beispiel bei Evotec massiv erfolgen. Die Aktie gerät ins Schwächeln bzw ein Abwärtstrend wird zusätzlich (künstlich) verstärkt oder gar erst in Gang gesetzt, ohne dass es dafür einen reellen Grund gibt.


Natürlich kann so ein Leerverkauf auch „in die Hose gehen“, wenn der Aktienkurs entgegen der Erwartung des Spekulanten zwischen dem Leerverkauf und der Rückgabe steigt. Die Aktie muss dann natürlich trotzdem gekauft und dem Verleiher zurückgegeben werden.


Zum besseren Verständnis erkläre ich das nochmal am Beispiel Evotec:

Ein Spekulant leiht sich am 10. November 1.000 Evotec-Aktien zum Kurs von 16 Euro und zahlt dafür 2% Gebühren (= 320 €). Die geliehenen Aktien werden dann umgehend verkauft (= Erlös 16.000 €). Fünf Tage später kauft er 1.000 Aktien zum Stückpreis von 13 Euro (= 13.000 € Einsatz) und gibt die 1.000 Evotec-Aktien dem Verleiher zurück. Dadurch erzielt er einen Gewinn von 3.000 € abzgl. 320 € Gebühren = 2.680 € Reingewinn!

Lakewood & Co. schießen aus vollen Rohren

Aber zurück zu Lakewood und Evotec. Bei dem aufgerufenen Kursziel von 10 Euro hätte Evotec über die Hälfte seines Börsenwertes vom 4. Oktober verloren! Das Unternehmen wäre völlig unterbewertet und es würde sehr schwer werden, neue Aktienkäufer zu finden. Keiner der Aktionäre glaubt zunächst so richtig an einen derart bösen Kursverfall. Doch sie werden leider eines besseren belehrt… Neben Lakewood bauen noch weitere „Geier“ Short-Positionen auf. Unter ihnen J.P. Morgan und auch Black Rock. Insgesamt befinden sich derzeit über 8% der Aktien in der Hand von Leerverkäufern. Ab 0,5% besteht eine Meldepflicht. Somit können die LVs z.B. im Bundesanzeiger nachverfolgt werden. Wer es übersichtlicher haben möchte, kann auch die niederländische Seite Shortsell.nl nutzen. Heute (19.11.2017) steht Evotec bei 12,34 Euro und hat somit seit dem Höchststand knapp 45% eingebüßt! Wann ist der Spuk endlich vorbei? Bei 10 oder gar erst bei 8 Euro?!

Fazit: Leerverkäufe schaden der Wirtschaft!

Agressive Leerverkäufer wie Lakewood & Co. scheffeln in kürzester Zeit Millionen auf Kosten solider deutscher Unternehmen. Und Evotec ist da nur ein Beispiel! Klicken Sie sich mal durch den Bundesanzeiger und Shortsell.nl – es wird Ihnen kalt den Rücken herunterlaufen! Die Unternehmen hinter den „Luftverkäufen“ werden immer mächtiger und die Hintermänner feiern wilde Partys auf ihren Yachten. Die geschädigten Unternehmen und deren „normale“ Aktionäre dürfen das Ganze am Ende ausbaden. Mit Leerverkäufen kann viel Geld verdient werden – sie können aber auch viel Schaden anrichten…

In Börsenforen wird bereits zu Gegenmaßnahmen aufgerufen. Z.B. soll jeder, der ein Zeichen gegen die LV-Geier setzen möchte, eine einzige Evotec Aktie kaufen. Bis jetzt haben anscheinend noch nicht genug Leute mitgemacht…

Bildquelle: pixabay.com / Fotomontage: Matthias Koch




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