Impfungen: Ein Siegeszug der Wissenschaft

Aktuell geht die Medienlandschaft vor Nachrichten rund um die Covid-Impfungen über: Statistiken zu Impf(un-)willigen, Impfdurchbrüchen und Wirksamkeit sind überall abrufbar und werden heiß diskutiert. Lange ist es her, dass eine Impfung, also ein kleiner Piecks, das Potenzial hatte, die Gesellschaft zu spalten – die „sozialen“ Medien tun leider ihr Übriges, um die Lage weiter zu verschärfen.

Was viele bei diesen ganzen Streitereien scheinbar vergessen ist jedoch, dass wir uns mitten in einer weltweiten Pandemie befinden. Eine Pandemie, die schon über 4,7 Millionen Menschen weltweit das Leben gekostet hat und leider noch weitere Opfer fordern wird. Hinzu kommen unangenehme und die Lebensqualität einschränkende Langzeitfolgen, die Long Covid für einen nicht unerheblichen Teil der Genesenen bedeutet.

Gefährliche Viruserkrankungen und Pandemien gibt es seit jeher. Was unsere Situation heute von der in früheren Zeiten unterscheidet, ist, dass es nach nicht einmal einem Jahr Pandemiedauer bereits mehrere hochwirksame und risikoarme Impfstoffe gab. Ein riesiger Erfolg der Wissenschaft und ein wahrer Luxus, dass jede/r Bürger/in ihn gratis erhalten kann. Frühere Generationen würden uns nur ungläubig ansehen und beneiden.

Was war die erste Impfung?

Die erste Schutzimpfung wirkte vorbeugend gegen Pocken. Diese Krankheit war früher in Europa und in Asien weitverbreitet und äußerst gefährlich. Der erste Impfstoff gegen Pocken wurde 1796 hergestellt und verabreicht.

Das Wirkprinzip der Impfung hatte man sich von den asiatischen Ländern abgeschaut, denn dort infizierte man schon über Jahrhunderte Gesunde bewusst mit kleinen Anteilen an Sekret von mit Pocken infizierten Patienten. Die Folge dieser Behandlung war eine Erkrankung, jedoch mit einem – im Vergleich zur Infektion über herkömmliche Mensch-zu Mensch-Übertragung – leichten Verlauf. Danach hatte der Genesene einen lebenslangen Schutz vor dieser gefährlichen Krankheit, die eine Sterblichkeitsrate von 15 % aufwies.

Über Konstantinopel kam dieses Verfahren nach England, und die Ärzte forschten weiter, um die Methode zu verbessern und Risiken abzuschwächen. Der englische Arzt Edward Jenner versuchte schließlich eine andere, für den Menschen risikoärmere, Variante der Immunisierung. Man machte zu dieser Zeit die interessante Beobachtung, dass Menschen, die sich mit sogenannten „Kuhpocken“ – dabei handelt es sich um eine milde Pockenform als Ausschlag am Kuheuter, die auch auf Menschen übertragbar ist – infizierten, keine Pockenerkrankung erlitten.

1796 startete Jenner deshalb ein Experiment, um den direkten Zusammenhang zu beweisen: Er nahm eine kleine Menge Pustelsekret einer an Kuhpocken erkrankten Magd und injizierte es einem achtjährigen Jungen, der bisher von den Pocken verschont geblieben war. Nach der Impfung erkrankte der Bub, wie gedacht, an Kuhpocken und sechs Wochen später führte der Arzt ihm dann „normales“ Pockensekret zu. Das Ergebnis war wie gehofft: Der Junge erkrankte nicht mehr an den herkömmlichen, sehr gefährlichen Pocken. Hier begann also der Siegeszug der Impfungen und der Fortschritt in der Impfforschung brachte viele weitere Erfolge.

Warum spricht man bei Impfungen auch von „Vakzinen“?

Die Bezeichnung „Vakzination“ für Impfung setzte sich in Europa rasch durch und ist heute allgemein im Sprachgebrauch verankert, ebenso wie „Vakzin“ für Impfstoff. Diese Begriffe stammen von den lateinischen Wörtern vacca und vaccinus ab, diese bedeuten schlicht und einfach „Kuh“ bzw. „von Kühen stammend“. Der Begriff „Vakzination“ erinnert somit an die wunderbare Geschichte der ersten Impfung mit Kuhpockensekret.

Gab es früher Impfpflichten?

Bereits 1807 führten das Königreich Bayern und das Großherzogtum Essen eine Impfpflicht gegen Pocken ein. 1870/71 gab es eine große Pockenepidemie, die im deutschen Kaiserreich 125 000 Todesopfer forderte, weshalb 1874 das Reichsimpfgesetz erlassen wurde und Kinder im ersten und zwölften Jahr verpflichtend geimpft wurden. Bei Nichteinhaltung kam es zu Geld- und sogar Haftstrafen. In Österreich verlor Maria Theresia drei Kinder durch die Pocken. Als sie von der neuen Methode der Vorbeugung erfuhr, ebnete sie den Weg dafür, dass sich breite Bevölkerungsschichten impfen lassen konnten, und ließ ihre jüngeren Kinder umgehend gegen Pocken immunisieren.

Impfkritiker und Gegner gab es natürlich auch damals schon und die Wissenschaftler waren durchaus gespaltener Meinung. Diese ersten Verfahren bargen gewisse Gefahren, wie etwa die Übertragung von Infektionskrankheiten, weshalb es dann sehr bald zu einer Änderung in der Impfstoffherstellung kam.

Was sind die Langzeiterfolge der Pockenimpfung?

1966 startete die WHO eine Pocken-Ausrottungskampagne, die zu einer weltweiten Impfpflicht führte. Als Ergebnis konnte sie 1980 die Welt (!) für pockenfrei erklären – die einstige hochgefährliche Krankheit, die vielen Kindern das Leben kostete, ist somit, dank flächendeckender Impfungen, heute ausgerottet und wir müssen uns darüber keine Sorgen mehr machen.

Die Forschung zu Impfstoffen schritt immer weiter voran, es folgten bald Wirkstoffe gegen Milzbrand und Tollwut. 1885 wurde die erste Tetanusimpfung am Menschen durchgeführt. Als Meilenstein wird die Entwicklung des Diphtherie Serums bezeichnet, das ab 1894 verabreicht wurde, zahlreiche weitere Impfstoffe und neue Verfahren folgten bis heute. Alle eint ein Ziel – der Schutz der breiten Bevölkerung vor gefährlichen Krankheiten.

Wer entscheidet heute über Impfungen in Deutschland?

In Deutschland spricht die STIKO (Ständige Impfkommission), ein Expertengremium, Empfehlungen für Impfungen und Impftermine aus, die in Deutschland als medizinischer Standard gelten. Sie hat ihren Sitz im RKI.

Das RKI (Robert Koch-Institut) entwickelt Maßnahmen, um eine Verbreitung von Infektionskrankheiten einzudämmen oder zu verhindern und führt u. a. statistische Untersuchungen zur Ausbreitung, Ursachenforschung und Prävention durch. Die konkreten Aufgaben sind in § 4 Infektionsschutzgesetz definiert.

Das PEI (Paul-Ehrlich-Institut) ist für die staatliche Zulassung und Überwachung von Impfstoffen in Deutschland zuständig. Impfkomplikationen werden ebenfalls vom PEI untersucht.

Seriöse, zuverlässige und dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entsprechende Informationen zu Covid-19, den verfügbaren Impfstoffen und ihrer Wirkungsweise finden Sie bei den oben genannten Stellen. Nur eine hohe Durchimpfungsrate lässt uns auch diese Pandemie besiegen und in unser normales Leben zurückkehren.

Foto: pixabay.com

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