Interview Thomas / baconzumsteak.de

Heute starten wir hier eine kleine Serie, in der wir in loser Reihenfolge deutsche Unternehmer im Rahmen eines Interviews vorstellen. Der Titel: selbst&ständig. Den Anfang macht freundlicher Weise Thomas vom Blog baconzumsteak.de.

Verbraucher-Tipps.com: Hallo Thomas, stell‘ Dich unseren Lesern bitte mal kurz vor.

Thomas: Hallo! Ich bin Thomas, 32, komme aus Köln und bin seit ein paar Jahren selbstständiger Blogger.

Wie bist Du zum Bloggen gekommen und was hast Du (ggf.) vorher beruflich gemacht?
Gelernt habe ich im öffentlichen Dienst, bin aber dann in die Start-Up-Szene gewechselt. 2008 war ich mit einem damaligen Arbeitgeber das erste mal in den USA. Nach einem langen Flug kam ich völlig ausgehungert am Washington Airport an und habe dort einen Burger bei Wendy’s bestellt. Ich habe schon immer gerne Fleisch gegessen, aber der erste Bissen US-Beef in meinem Leben hat mich nachhaltig begeistert – Und gleichzeitig mit der Frage zurückgelassen, was den Geschmack von Fleisch ausmacht. Schnell wurde mir klar, dass nicht nur der Koch, sondern vor allem auch Metzger und Züchter diejenigen sind, die dem Fleisch den Geschmack geben. So habe ich viel gelesen, gelernt und damit irgendwie Bekannte und Freunde fasziniert. Irgendwann habe ich eine Facebook-Seite eröffnet, ein halbes Jahr später kam dann der Blog.

Kannst Du mittlerweile vom Bloggen leben und wie verdienst Du Geld mit Deinem Blog?
Ja, nach den ersten zwei extrem arbeitsintensiven Jahren ist die Selbstständigkeit endlich wirtschaftlich. Meine Einnahmen werden aber sehr unterschiedlich generiert: Ein Teil macht die klassische Rezeptentwicklung aus, es gibt aber auch vereinzelt Produktvorstellungen o.ä., für die Kooperationspartner bezahlt haben. Ich schreibe aber auch für andere Unternehmen und Magazine, der Content taucht dann gar nicht in meinem Blog auf. Manchmal habe ich Grill-Prototypen hier, die ich auf Herz und Nieren teste, bevor sie in der kommenden Saison in den Handel kommen. Es gibt also etliche unregelmäßige Einnahmequellen, von denen alleine ich nicht gut und sicher leben könnte; im Grillbereich fließt leider nicht so viel Geld, wie das offensichtlich bei Instagram-Models der Fall ist. Den größten Bereich meiner Einnahmen bilden Grillkurse, Caterings und andere Events. Und ehrlich gesagt machen die auch am meisten Spaß. 😉

Wo liegt Dein Fokus? Hast Du Dich auf einen Bereich spezialisiert?
Ja, mein Steckenpferd ist das Fleisch. Die Welt ist unglaublich schön und es gibt wahnsinnig viele tolle Menschen, die mit großer Leidenschaft in ähnlichen Metiers arbeiten. Im Blog geht es aber nicht nur um Fleisch, das wäre auch etwas zu starr ausgerichtet. Ich möchte den Leuten erklären, wie sie gut zuhause kochen können und worauf es bei Lebensmitteln, besonders beim Fleisch, ankommt. So komplettiert sich, so hoffe ich zumindest, ein rundes Bild eines fleischverliebten, aber gesunden Blogs für Leute, die gerne Kochen und sich dabei nicht über zusätzliches Wissen beschweren.

Was zeichnet Dein Blog baconzumsteak.de aus? Was machst Du ggf. anders als andere?
Ob der Blog sich so extrem abhebt, kann ich gar nicht sagen. Es gibt viele tolle Blogs mit schicken Fotos und guten Rezepten. Ich habe einfach den Drang, Dinge zu verstehen und bringe sie dann -zwangsläufig- in den Blogartikeln irgendwie mit ein. Ich sage also nicht nur wie etwas gemacht wird, sondern auch oft warum etwas gemacht wird. Das schätzen besonders Leute in den Grillkursen, denn das Thema „Gesundes Essen/Grillen“ ist inzwischen in allen Altersklassen angekommen.

„Gesundes Essen/Grillen“ ist inzwischen in allen Altersklassen angekommen

Wie sieht Dein typischer Tagesablauf so aus?
Es gibt keinen typischen Tagesablauf. Den bestimmt in der Regel die Auftragslage, die Termine und Kurse die anstehen. Es gibt Nachtschichten, in denen ich an der Seite arbeite, es gibt aber auch Tage, in denen gar nichts am Blog passiert und ich nur in der Küche oder am Grill herumexperimentiere. Zudem fahre ich durch ganz Europa und arbeite mit Metzgern, Köchen und Züchtern an unterschiedlichsten Projekten. Ich kann eigentlich nur sagen: Ich stehe irgendwann auf und fange an, mein Hobby zu leben.

Mit welchen Herausforderungen hat man als Blogger tagtäglich zu kämpfen?
Mit allerhand Paketboten, die wissen dass ich selbstständig und dadurch oft zu Hause bin.

Als Unternehmer in Deutschland hat man es nicht immer leicht – Stichwort DSGVO. Was würdest Du für Selbständige sofort ändern/abschaffen, wenn Du könntest?
Die DSGVO ist beim Start in die Selbstständigkeit vermutlich eins der kleinsten Probleme. Ich sehe eher den Staat in der Pflicht, sich mehr um Jungunternehmer aller Metiers zu kümmern: Die wenigsten Gründer und frischen Freiberufler haben zu Beginn eine sichere Auftragslage, und auch ich habe zwei Jahre keine schwarzen Zahlen geschrieben und viel Geld in Equipment etc. investiert. Krankenkassenbeiträge, Miete, Versicherungen, Steuern … alles Kosten, die in den ersten Monaten besonders geschmerzt haben. Hier braucht es staatliche Subventionen, Förderungen und auch inhaltliche Hilfestellungen.

Gab es während Deiner Tätigkeit ein besonderes Erlebnis, dass Du so schnell nicht vergessen wirst?
Da gibt es viele, zum Beispiel bleibt mir jede Schlachtung in Erinnerung. Das sind zwar keine schönen Erlebnisse, aber sie sorgen für eine gesunde Wertschätzung des Lebensmittels Fleisch. Es gibt aber auch viele schöne Momente, mir gibt es viel wenn ich Leuten mit Essen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Wo siehst Du Dich und Dein Unternehmen in 5 Jahren?
Ich habe nicht den Drang aus dem Blog ein Unternehmen zu machen oder irgendwas zu ändern. Baconzumsteak ist seit vielen Jahren mein Herzensprojekt, es bezahlt die Brötchen und ermöglicht mir eine Work-Life-Balance, von der viele nur träumen können. Das habe ich mir hart erarbeitet, teilweise mit 16-Stunden-Tagen über Monate hinweg. Ich bin zufrieden, wie sich alles entwickelt hat und empfange die Zukunft mit offenen Armen.

Vielen Dank für das ausführliche und sehr interessante Interview und weiterhin viel Erfolg!

Hier geht’s zum Blog: baconzumsteak.de
Und besuchen Sie auch mal Thomas‘ Facebook-Seite

Fotos: Thomas Holzportz

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