Nichts wächst bis in den Himmel

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Kein Coin wächst bis in den Himmel

Die Euphorie am Kryptomarkt ist immer noch ungebrochen. Auch wenn es derzeit wieder mal etwas bergab geht. Vor einigen Tagen lag die gesamte Marktkapitalisierung aller Coins noch bei 828 Milliarden US$. Heute sind es laut coinmarketcap.com “nur” noch 756 Milliarden US$ – allein 261 Milliarden davon entfallen auf den Bitcoin. Aber wie hoch geht das alles noch? Knacken wir in kürze die Billionen-Marke?

Wieviel Geld gibt es überhaupt auf der Welt?

Die Allianz SE hat am 27. September letzten Jahres die achte Ausgabe ihres “Global Wealth Reports” vorgestellt, in dem die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte aus über 50 Ländern für das Jahr 2016 analysiert wurde. Logisch, dass sowas natürlich nicht auf einen Euro genau machbar ist. Ich würde sogar mal behaupten, die Gesamtsumme von 170 Billionen Euro ist eigentlich nur ein grober Anhaltspunkt. Ist eigentlich auch egal. Wir gehen einfach mal davon aus, dass auf der Welt insgesamt 170 Billionen Euro im Umlauf sind. Und damit wir im weiteren Verlauf dieses Artikels bessere Vergleiche anstellen können, rechnen wir die 170.000.000.000.000 € mal um in US$ und kommen da heute auf knapp 204 Billionen. Um den Artikel nicht zu kompliziert zu machen, tun wir außerdem mal so, als ob nur privates Vermögen in den Kryptowährungen steckt.

In dieser Summe enthalten sind übrigens nur Bargeld und Bankeinlagen, Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds, Wertpapiere (Aktien, Anleihen und Anteile an Investmentfonds) sowie sonstige finanzielle Forderungen. Also keine Derivate, Immobilien, Autos usw. Wen es interessiert: die Schweiz führt die Liste im Bezug auf das Brutto-Geldvermögen pro Kopf mit 268.840 € an und Deutschland liegt mit läppischen 70.350 € gerade mal auf Rang 19… nebenbei bemerkt sind die Schulden weltweit stärker gewachsen als die Wirtschaft. Und allein 20% der 41 Billionen € an privaten Verbindlichkeiten entfallen auf China. Wer sich für diese nicht ganz unwichtige Thematik interessiert, möge bitte einfach mal googlen.

Das Geldvermögen liegt weltweit bei etwa 170 Billionen Euro

Das private Geldvermögen liegt weltweit bei ca. 170 Billionen Euro (204 Billionen US$)

Aber mal weiter im Text. Im Erhebungsjahr 2016 waren laut Statista gut 70 Billionen US$ am Aktienmarkt angelegt. Wieviel davon nun Privatanlegern zuzuschreiben ist, konnte ich nicht ermitteln. Das in der Gesamtsumme enthaltene Bargeld und Bankvermögen geht leider auch nicht aus dem Report hervor und ließ sich auch trotz ausführlicher Online-Recherche nicht annähernd genau ermitteln. Ich möchte mit diesem Beitrag ja eigentlich auch nicht jeden Cent des weltweiten Privatvermögens genauestens aufdröseln. Vielmehr möchte ich Euch ja eigentlich erklären, dass die Krypto-Coins nicht bis in den Himmel wachsen (können).

Die Grenze verläuft beim verfügbaren Vermögen!

Eigentlich logisch… es können weltweit nur soviele Kryptocoins gekauft werden, wie Vermögen vorhanden ist und inwiefern Anleger bereit sind, dieses Vermögen in Coins zu stecken. Einige behaupten z.B., dass der Bitcoin in diesem Jahr auf 100.000 Dollar steigt. Momentan sind 16.789.587 (von irgendwann maximal 21.000.000) BTC im Umlauf. Gehen wir mal davon aus, dass beim Erreichen dieses (Traum)Kurses 17 Millionen Bitcoins herumschwirren. 17.000.000 mal 100.000 Dollar = 1.700.000.000.000 (1.7 Billionen) US$. Und wenn wir dann außerdem noch davon ausgehen, dass der restliche Coinmarkt in etwa in gleicher Relation wächst, dann würde er sich ungefähr versechsfachen. Das entspräche dann einer gesamten Coinmarktkapitalisierung von 4.5 Billionen US$, also 2.2% des weltweit verfügbaren Privatvermögens. Natürlich wird das so genau nicht passieren, weil einige Coins nicht x6 sondern x1000 oder gar x10000 wachsen.

Vom Tron (TRX) Coin sind beispielsweise im Moment 65 Milliarden Stück im Umlauf. Bei einem Stückpreis von derzeit etwa 0,16 US$. Würde dieser Token auf 100 US$ steigen, entspräche das einer Marktkapitalisierung von 6.5 Billionen US$ = 3.18% des weltweit verfügbaren Privatvermögens.

Da Menschen ihr Geld natürlich auch noch für wichtigere Dinge benötigen, müsste also irgendwann Geld umgeschichtet werden. Zum Beispiel von Aktien in Kryptos. Das wird aber wohl wahrscheinlich (und hoffentlich) nicht in großem Umfang passieren, weil viele Aktienanleger zu konservativ und/oder zu alt für den Kryptomarkt sind.

Mein Fazit

Der Kryptomarkt ist ebenso wie der Aktienmarkt keine Einbahnstraße. Es geht mal hoch und auch mal runter. In Coins zu investieren ist allerdings sehr viel gefährlicher, als dasselbe Geld in Aktien zu stecken. Der Aktienmarkt wird weltweit stark reguliert und überwacht. Bei Kryptowährungen ist das (zum Glück) nicht möglich. Darin besteht ja auch deren Sinn und Zweck b.z.w. der Sinn und Zweck der Blockchain. Alles schön dezentral und transparent. Aber nicht jeder Coin hat auch Substanz und kann genauso schnell in der Versenkung verschwinden, wie er gehyped wurde. Die Blockchain ansich aber wird unsere Zukunft in vielerlei Hinsicht maßgeblich beeinflussen. Welche Coins sich mittel- und langfristig durchsetzen, weiß heute noch kein Mensch.

Wir haben also drei Möglichkeiten: entweder “hodlen” wir den Coin unseres Vertrauens und machen damit langfristig einen Gewinn. Oder wir spekulieren kurzfristig auf Coins, die gerade gut performen. Oder wir machen beides gleichzeitig. Ich persönlich bin ein Freund der dritten Möglichkeit. Bei allen drei Varianten sollten Sie natürlich gleichzeitig auf verschiedene Pferde setzen – so wie beim guten alten Aktienmarkt 😉

Auf jeden Fall wird kein Coin in den Himmel wachsen. Denn das Wachstum wird eben halt durch die tatsächlich verfügbare Menge des Geldes begrenzt.

Bildquellen: pixabay.com und Allianz Pressemeldung

Matthias erstellt, betreibt und vermarktet seit dem Jahre 2000 diverse Blogs und Webseiten unterschiedlichster Art. Den Fokus legt er dabei auf Verbraucherthemen sowie Aktien, Börse und Tipps zum Geld sparen.

Er lebt in der Nähe von Hannover, wurde 1973 geboren und ist Vater von zwei Kindern.

4.93/5 (5)

Bitte bewerten Sie diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Navigation