Plastik, Natur und Gesundheit

Plastik und Kunststoffe aller Art sind auf den ersten Blick eine spannende und nützliche Erfindung. Sie punkten mit einer besonderen Widerstandfähigkeit, unzähligen Verformungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, geringen Produktionskosten sowie einer vielseitigen Verwendbarkeit. Pro Jahr verbraucht der Durchschnittseuropäer stolze 100 Kilogramm Plastik, aus vielen Bereichen des täglichen Lebens ist das Material daher kaum noch wegzudenken. Der hohe Plastikverbrauch bringt jedoch auch einige Schattenseiten mit sich, denn er schadet nicht nur unserer Biosphäre, sondern wird auch aus gesundheitlicher Sicht als überaus bedenklich eingestuft. Welchen Schaden unsere Abfälle in den Ozeanen anrichten, was genau man unter dem Begriff Mikroplastik versteht und warum ein Umdenken hin zu einer deutlichen Plastikreduzierung so wichtig ist, verraten wir in diesem Artikel.

Umweltverschmutzung – Ein Teufelskreis für Mensch und Natur

Je nach Art und Beschaffenheit des Kunststoffes kann es bis zu 600 Jahre dauern, bis er auf biologischem Weg abgebaut wird. Aufgrund des großen Plastikbedarfes in der Gesellschaft und dem damit zusammenhängenden Boom der Kunststoffproduktion entsteht daher eine erschreckende Menge an Abfällen, die uns vor große Herausforderungen stellt. Eine vielversprechende Lösung hierfür stellt das Recycling-System dar, welches entsorgte Plastikprodukte wieder in den ökonomischen Kreislauf zurückführen soll. In der Realität bringt das Konzept jedoch nicht den gewünschten Erfolg, denn weltweit wird nur ein geringer Bruchteil des weggeworfenen Plastiks tatsächlich wiederverwertet. Stattdessen wird ein Großteil des Plastiks in gigantische Mülldeponien verfrachtet oder in der Natur ausgeschüttet. Auf diese Weise werden ganze Ökosysteme wie Gewässer, Strandregionen und Wälder verschmutzt und die dort lebende Fauna und Flora zerstört. Die Folgen unseres enormen Plastikverbrauches werden besonders im pazifischen Ozean deutlich, wo durch die Ansammlung von Abfällen unter der Einwirkung von Meeresströmungen mit der Zeit ein gigantischer Plastikteppich mit der Fläche Europas entstanden ist.

Nicht selten geraten Wale, Delfine, Fische, Meeresvögel und andere Meerestiere in Kontakt mit den im Wasser umhertreibenden Plastikteilen. Die Aufnahme des Plastikmülls, den viele Lebewesen fälschlicherweise für eine natürliche Futterquelle halten, wirkt sich schon nach kurzer Zeit stark schädigend auf den Organismus der betroffenen Tiere aus. Die durch die Einflüsse von Sonne, Wind und Wasser immer feiner werdenden Plastikeinheiten setzen toxische Stoffe frei, welche nun auch ins Innere von Lebewesen gelangen. In einigen Fällen nehmen Meeressäuger, Vögel und Schildkröten außerdem so viele Plastikteilchen auf, dass sie trotz vollem Magen verhungern. Durch die riesigen Plastikanteile in den Meeren wird also ein gesamter Lebensraum bedroht. Den unter anderem durch das Problem der Überfischung gefährdeten Tierarten wird das Überleben zusätzlich erschwert und die Biodiversität wird gefährdet.

Die Plastikaufnahme durch Fische, Schalen- und Krustentiere stellt auch ein unmittelbares Problem für uns Menschen dar. Zahlreiche Studien kamen zu dem Ergebnis, dass auch die Thunfische, Garnelen und Muscheln, die vom Menschen verzehrt werden, Plastikrückstände aufweisen. So wurde in rund sechs Prozent der aus der Nord- und Ostseeregion stammenden Fische eine Belastung durch Mikroplastik festgestellt. Noch größer ist der Anteil bei Meerestieren wie norwegischen Hummern oder Muscheln aller Art. Beim Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten besteht demnach die Gefahr, dass die Plastikpartikel mit ihren angedockten Giftstoffen in unseren Körper gelangen und dort zu gesundheitlichen Schäden führen.

Gesundheitliche Risiken durch Mikroplastik und toxische Chemikalien

Als Mikroplastik werden feine Plastikteilchen bezeichnet, deren Größe weniger als fünf Millimeter beträgt. Diese spezielle Form von Plastik wird beispielsweise Kosmetika, Duschmitteln und Zahncremes beigemischt, wobei auch im handelsüblichen Trinkwasser kleinere Konzentrationen enthalten sind. Ob von Mikroplastik konkrete gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen, ist momentan noch unklar. Unumstritten ist jedoch, dass Mikroplastik die Kläranlagen aufgrund seiner geringen Größe nahezu ungefiltert durchläuft und auf diese Weise unmittelbar in die Gewässer geleitet wird. Hier wird die Substanz wieder zum Problem für Fische und Meeressäuger, die es mit dem natürlich vorkommenden Plankton verwechseln.

Ein anderes gesundheitliches Risiko stellen die zahlreichen Zusatzstoffe dar, die dem Plastik bei der Herstellung von Flaschen, Spielzeug, Verpackungen und anderen Produkten beigemischt werden. Durch den Einsatz von Weichmachern und Flammschutzmitteln wird das Material elastischer, feuerresistenz und allgemein widerstandsfähiger gemacht. Problematisch ist jedoch, dass diese giftigen Stoffe mit der Zeit freigesetzt und vom Menschen über die Haut, die Atemwege oder die Nahrung aufgenommen werden können. Dadurch werden Asthmaerkrankungen, Unfruchtbarkeit und sogar Krebs begünstigt, bei Kindern kann es außerdem zu Störungen in der Entwicklung kommen. Aufgrund der hohen Diskretion in der Plastikherstellung und der weitgehenden Geheimhaltung der Produktionsverfahren kann niemand mit Gewissheit sagen, welche weiteren Substanzen dem Plastik darüber hinaus noch zugesetzt werden. Auch deshalb stehen viele Gesundheitsexperten der Plastikindustrie kritisch gegenüber.

Plastik: Umdenken und aktiv handeln

Umdenken und aktiv handeln

Beim genaueren Hinsehen wird schnell klar, dass mit dem zu hohen Plastikverbrauch schwerwiegende gesundheitliche und ökologische Folgen einhergehen. Unsere Plastikbilanz kann nicht im Sinne der Zukunftsvision eines gesunden Menschen, der im Einklang mit seiner Umwelt lebt, sein. Ebenfalls einleuchtend ist, dass ein zukünftiges Anhalten des momentanen Konsumverhaltens die Verhinderung von Langzeitproblemen zunehmend schwieriger macht. Aus diesem Grund ist eine schnellstmögliche Veränderung notwendig, die nicht nur innenpolitisch durch Belohnungssysteme wie das Konzept des Flaschenpfandes oder Bestrafungssysteme wie die Einführung einer Plastik- oder Rohölsteuer, sondern auch durch Verträge auf internationaler bzw. multilateraler Ebene herbeigeführt werden können. Den größten Beitrag zu einer plastikneutralen Zukunft können jedoch die Endverbraucher leisten, denn diese entscheiden sich letztendlich entweder für oder gegen den Konsum von plastikhaltigen Produkten. Doch das Wissen um die drohenden Auswirkungen des Plastikverbrauches kann allein keine Veränderung herbeiführen. Es bedarf einer bewussten und langfristigen Umstellung des menschlichen Konsumverhaltens. Ähnlich wie bei der Problematik des Fleischkonsums geht es dabei keinesfalls darum, um jeden Preis ein Zero-Waste-Konzept zu verfolgen, sondern sinnvoll mit dem Material umzugehen und den Verbrauch zu reduzieren. 

Im Durchschnitt dauert es gerade einmal 25 Minuten vom ersten Benutzen an, bis eine Plastiktüte wieder entsorgt wird. Um den hierbei entstehenden Plastikmüll einzusparen, kannst du beim nächsten Einkauf einen eigenen Korb, praktische Papier- oder Stofftaschen oder andere Mehrweg-Behälter mitbringen. Bei der Auswahl der Produkte bietet es sich zusätzlich an, auf die Verpackung zu achten, leckere Joghurts werden beispielsweise nicht nur im Plastikbecher, sondern auch im Glas angeboten. Empfehlenswert sind darüber hinaus auch die sogenannten Unverpackt-Läden, in denen sich der Kunde Kosmetika, Cornflakes, Früchte und Co. selbstständig abfüllen kann, um dem Anfallen von Verpackungsmüll gänzlich aus dem Weg zu gehen. Wenn im Haushalt dennoch Plastikmüll anfällt, kann mittels Mülltrennung immerhin noch die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass die Abfälle in eine Recycling-Anlage gelangen.

Dass die gesellschaftliche Umorientierung beim Thema Plastik bereits in vollem Gange ist, zeigen die aktuellen Trends. Ein Paradebeispiel für die Initiative der Bevölkerung stellt die europaweite Aktion Fridays for Future dar, welche von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen von Streiks und Demonstrationen versammeln sich hierbei auch in Deutschland jeden Freitag Schüler- und Studentengruppen auf den Straßen, um auf die brisante Thematik aufmerksam zu machen. Umwelt- und Tierschutzorganisationen wie beispielsweise Greenpeace widmen sich der Plastik-Problematik seit einigen Jahren recht erfolgreich und auch in den sozialen Netzwerken stößt man regelmäßig auf diese Thematik.

Video: Fridays for Future

Fotos: pixabay.com

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