Igel im Herbst schützen

Igel sind nicht nur putzige kleine Tierchen, sie gehören auch zu den besonders geschützten Tieren nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Das bedeutet, sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Igel sind Insektenfresser, sie lieben Käfer und Schmetterlingslarven, aber auch Regenwürmer und Schnecken.

Tagsüber sind Igel meist in ihrem Unterschlupf unter Gebüschen oder Laubhaufen. Nachts sind sie unterwegs und auf Nahrungssuche. Ab Mitte November begeben sich Igel in den Winterschlaf in ein frostsicheres Nest, das sie ab anhaltenden Temperaturen von Null Grad beziehen. Im März/April, wenn sich dieses Winternest auf 15 Grad erwärmt, verlassen sie es dann wieder. Bei besonders milden Wintern kann dies auch früher oder zwischendurch der Fall sein.

Als Wildtier kommt der Igel in der Natur gut zurecht, gesunde Tier benötigen keine Hilfe. Ist ein Tier jedoch geschwächt, oder verletzt, ist es auf Unterstützung angewiesen.

Wann ist ein Igel hilfsbedürftig?

  • Igelsäuglinge, die offensichtlich verwaist sind, da sie sich auch tagsüber außerhalb des Nestes befinden. Sie erkennen Säuglinge daran, dass sie noch geschlossene Augen und Ohren haben.
  • Igel mit Verletzungen.
  • Igel, die unterernährt sind. Unterernährung erkennen Sie daran, dass der Igel eine eher „wurstartige“ Form aufweist, eingefallene Flanken und eine deutlich sichtbare Einbuchtung hinter dem Kopf hat. Ein gesunder Igel hat im Gegensatz dazu eine „birnenartige“ Form im Sinne von vorne ist er schmal und hinten dick geformt.
  • Igel, die erkrankt sind. Diese erkennen Sie daran, dass sie tagsüber auffindbar sind und apathisch wirken. Sie sind meist mager und haben eingefallene Augen. Ein gesunder und unabsichtlich aufgescheuchter Igel ist zwar ebenfalls am Tage anzutreffen, sucht sich aber wieder einen Unterschlupf. Dieser benötigt keine Hilfe.
  • Jungtiere, die Anfang November noch keine 500 Gramm an Gewicht erreicht haben.
  • Igel, die nach dem Wintereinbruch aktiv sind (nach Dauerfrost bzw. Schneefall).

Bitte beachten Sie!

Gesunde Tiere benötigen keine fremde Hilfe, geschwächte oder kranke Tiere (siehe oben) sollten qualifizierten Personen übergeben werden, denn die Pflege ist durchaus aufwendig. Es gibt dafür spezielle Igelstationen, wo die Tiere hingebracht werden können. Igelberatungsstellen, unterstützen fachkundig, wenn man die Pflege selbst übernehmen will. Kranke Tiere müssen jedenfalls dem Tierarzt vorgestellt werden. Dieser behandelt meist kostenlos.

Ziel ist immer eine möglichst baldige Auswilderung in den natürlichen Lebensraum. Leider kann nicht immer jedem Tier geholfen werden – mögliche und erfolgversprechende Hilfestellungen sind mit der Fachstelle oder dem Tierarzt abzuklären.

Was kann man selbst tun?

Untergewichtige Igel können zugefüttert werden. Gut geeignet ist eine Mischung aus hochwertigem Katzenfutter mit hohem Fleischanteil, Igeltrockenfutter, und Rührei (ungewürzt). Zum Trinken benötigt ein Igel nur Wasser. Bitte geben Sie Igeln niemals Milch, da sie diese nicht verdauen können und es zu schweren Problemen kommen kann. Damit das Futter vor Vögeln, Katzen oder anderen Mitfressern geschützt ist, empfiehlt sich eine umgedrehte Kiste mit entsprechend großen, für Igel passende, Zugänge darüber zustellen.

Offene Vertiefungen im eigenen Garten wie Kellerschächte, Baugruben, Pools oder Teiche sollten abgedeckt oder mit einer Rampe versehen werden, damit der Igel den Bereich selbst wieder verlassen kann.

Überwinternde Igel nutzen gerne Komposthaufen. Seien Sie also bei einem etwaigen Umsetzen im November oder März besonders vorsichtig und achten Sie auf mögliche Wintergäste!

Vor dem Rasenmähen sollte hohes Gras immer nach Igeln abgesucht werden. Mähroboter sind sehr gefährlich für Igel und sollten in igelreichen Gebieten, wenn möglich gar nicht, oder zumindest nur tagsüber betrieben werden.

Laubsauger saugen auch kleine Insekten auf, die eine wichtige Nahrungsquelle für Igel darstellen. Verzichten Sie am besten darauf.

Lassen Sie Mülltüten nicht im Freien über Nacht draußen stehen, da hungrige Igel sich darin verfangen könnten.

Mäuse und Rattenfallen sollten in einer Höhe angebracht werden, die der Igel nicht erreicht (etwa 50 cm).

Besonders gefährlich ist für Igel das Auto. Achten Sie also, insbesondere im Siedlungsgebiet, abends und nachts in der Nähe von Gärten und Hecken ganz besonders auf Igel.

Schichten Sie gesammeltes Reisig, das verbrannt werden soll, unbedingt vor dem Abbrennen mit der Hand um, damit Sie keinen Igel übersehen.

Wie ein naturnaher Garten zum Igelgarten werden kann

Wer möchte, kann den kleinen Stacheltieren in seinem Garten mit einfachen Mitteln einen behaglichen, naturnahen Wohnraum schaffen: Teich (bitte unbedingt mit einer Rampe absichern) oder Tränke (flach und max. 10 cm tief), Obstbäume, Hecken, Steinmauer und Wiese sind hilfreich, Laub- und Komposthaufen werden gerne genutzt. Auf Mineraldünger, chemische Stoffe und exotische Pflanzen sollte verzichtet werden, ebenso auf häufiges Mähen des Rasens und der Hecken. Wenn die Tiere genügend Ressourcen vorfinden, bleiben sie gerne in ihrer gewöhnten Umgebung. Da Igel nachtaktiv sind, ist es wichtig, dass sie sich in dieser Zeit im Garten frei auf Nahrungssuche begeben können, kleinmaschiger Zaun und streng abgeschlossene Gärten sind dafür nicht geeignet.

Während Jungtiere im Herbst noch auf Futtersuche sind, um sich Winterspeck anzufressen, bauen die Alttiere bereits eifrig das Winternest. Hierfür benötigen sie totes Holz, Reisig und Laub. Sie nützen Erdmulden, Reisighaufen und Hecken zum Schutz vor der Kälte. Lassen Sie den Tieren also etwas Baumaterial im Garten zurück, damit sie sich ein schönes Nest bauen können. Wer möchte, kann auch ein Igelhäuschen dazustellen oder selbst etwas bauen.

Achten Sie also im Herbst bei der Gartenarbeit bitte ganz besonders auf die stacheligen Tiere, wenn Sie Laub- oder Reisighaufen entfernen respektive umsetzen oder unter Hecken mähen. Tiere, die sich bereits im Winterschlaf befinden, können nicht mehr auf Störungen reagieren und infolgedessen nicht flüchten.

Foto: pixabay.com

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