Kreditversicherung - wichtiger Schutz oder Geldmacherei?

Wer einen Kreditvertrag abschließen möchte, bekommt dazu passende Versicherungen gleich mit angeboten. Nicht selten ist der Abschluss einer Versicherung sogar Bedingung für die Kreditgewährung. Manche Versicherungsverträge sind wichtig, andere überteuert und zudem gefährlich lückenhaft. Erfahren Sie von dem Vergleichsportal 9Brands, welche Policen Sie abschließen sollten und wovon Sie besser die Finger lassen:

Die Restschuldversicherung – wichtig vor allem für junge Familien

Eine Restschuldversicherung, auch Restschuldlebensversicherung genannt, ist eine besondere Form der Risikolebensversicherung. Versicherungsfall ist der Tod der im Vertrag bezeichneten Risikoperson (Gefahrsperson). Andere Risiken wie Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit sind nicht gedeckt – hierfür gibt es die Ratenschutzversicherung. Die Restschuldversicherung ist sehr wichtig für Kredite über hohe Summen mit langen Laufzeiten, insbesondere bei der Immobilienfinanzierung. Hängt die Zahlung von Tilgung und Zinsen allein oder überwiegend von einem Einkommen ab, bringt der plötzliche Tod des Einkommensbeziehers die Hinterbliebenen in große finanzielle Schwierigkeiten. Zum Leid um den verstorbenen Familienangehörigen kommt nicht selten der Verlust des Hauses oder der Eigentumswohnung aufgrund einer Zwangsversteigerung.

Restschuldversicherung ist billig

Eine Restschuldversicherung ist aus mehreren Gründen für wenig Geld zu haben: Erstens ist der Versicherte, von dessen Leben die Leistung abhängt, in der Regel bei Vertragsabschluss noch recht jung und die Sterbewahrscheinlichkeit, mit der die Versicherer kalkulieren, deshalb gering. Zweitens gibt es keinen Sparprozess wie bei einer kapitalbildenden Versicherung. Erlebt die Risikoperson den vereinbarten Ablauftermin, endet die Versicherung ohne eine Zahlung. Der Beitrag setzt sich deshalb nur aus einem Risikoanteil und einem geringen Anteil für die Verwaltungskosten des Versicherers zusammen. Drittens bleibt die Versicherungssumme nicht konstant wie bei einer normalen Risikolebensversicherung, sondern sie fällt mit der Restschuld. Niedrige Summe bedeutet niedrigen Beitrag. Da die Versicherungssumme sinkt, während der Versicherte älter wird und damit sein Todesfallrisiko steigt, wirkt sich der Effekt gleich doppelt günstig auf den Beitrag aus. Einen Punkt gilt es allerdings zu bedenken: Schließen Sie die Restschuldversicherung besser nicht direkt beim Kreditgeber ab. Er kassiert als Vermittler des Geschäfts hohe Provisionen. Vergleichen Sie vorher die Preise und denken sie auch daran, dass die bekannten Internet-Portale ebenfalls von der Vermittlung leben. Günstigen Direktversicherern ist die Kostenbelastung möglicherweise zu hoch, und sie bieten ihre Produkte nicht über die Plattformen an. Recherchieren Sie deshalb auch mit ganz normalen Suchmaschinen oder über eine neutrale Verbraucherberatung.

Die Ratenschutzversicherung – fast immer entbehrlich

Während die Restschuld(lebens)versicherung das Risiko eines unerwarteten Todes des Kreditschuldners deckt und so die Hinterbliebenen absichert, geht es bei der Ratenschutzversicherung in der Hauptsache um einen Ausfall des Arbeitseinkommens durch Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit. In vielen Policen ist eine zusätzliche Absicherung für den Todesfall enthalten, mindestens bei Unfalltod. Solche Deckungen stehen in der Kritik, weil sie für einen meist hohen Preis nur solche Risiken abdecken, die bei kurz laufenden Ratenkrediten statistisch gesehen sehr selten eintreten und – anders als eine durch den Tod des Versorgers geplatzte Immobilienfinanzierung – auch nicht existenzbedrohend sein müssen.

Versicherungsschutz mit Lücken

Zunächst zum Thema Arbeitslosigkeit: Wenn Sie selbst ein nennenswertes Risiko für einen Jobverlust sehen, sollten Sie überlegen, ob eine Kreditaufnahme unter diesen Umständen überhaupt angemessen ist. Natürlich prüft auch der Kreditgeber im Rahmen der Bonitätsprüfung die Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit. Er fragt nach einem unbefristeten Arbeitsvertrag, macht die Darlehensgewährung möglicherweise sogar von langjähriger Betriebszugehörigkeit und entsprechenden Kündigungsfristen abhängig. Besteht ein Risiko, bekommen Sie keinen Kredit, ist es vernachlässigbar, brauchen Sie keine Versicherung. Eine Krankheit oder ein Unfall können dagegen jeden unerwartet treffen. Gerät Ihre Finanzierung aber schon durch Krankengeldbezug nach dem Ende der Lohnfortzahlung ins Wanken, sind Kreditsumme oder Höhe der Raten möglicherweise unpassend für Ihre finanzielle Situation. Versichert ist im Übrigen nur Arbeitsunfähigkeit – nicht die viel schlimmere Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit, die wahrscheinlich einen dauerhaften Verlust des Arbeitseinkommens und des sozialen Status bedeuten. Die Versicherung einer auskömmlichen Berufsunfähigkeitsrente ist zwar teurer, macht ganz allgemein zum Erhalt Ihres Lebensstandards aber viel mehr Sinn als der kleine Ausschnitt der Ratenschutzversicherung. Möchten Sie auf die Versicherung nicht verzichten, vergleichen Sie hier wie bei der Restschuldversicherung unbedingt die Preise. Das Angebot, das Sie mit dem Kreditvertrag erhalten, dürfte hier nicht gut abschneiden.

Foto: edar / pixabay.com

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