Das digitale Deutschland - Utopie oder geht's endlich voran?

Vereinfacht ausgedrückt ist Digitalisierung das Umwandeln von analogen Signalen in digitale Werte. Sie können praktisch jeden analogen Wert in digitale Daten umwandeln. Die typischen Beispiele sind Video- und Tonaufnahmen, Bilder und Dokumente. Die Vorteile der Digitalisierung liegen klar auf der Hand. Alles, was in digitaler Form vorliegt, lässt sich schneller verarbeiten, speichern, wiedergeben und verwenden. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei der Digitalisierung weniger Speicherbedarf benötigt wird.

Der ursprüngliche Begriff für Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung verloren. Heute geht es bei diesem Begriff mehr um die technische Vernetzung als um die Umwandlung von Daten. Die besten Beispiele dafür sind die Breitbandkommunikation, Smarthome, E-Commerce und vieles mehr. Weil die Daten durch die Digitalisierung schneller verarbeitet werden können, hat sich auch die technische Welt verändert. Besonders in der jetzigen coronabedingten Situation ist die Digitalisierung deutlich zu spüren, oder kannten Sie früher schon so Begriffe wie Homeoffice oder 5G Mobilfunk? Das sind neue Begriffe, die erst durch die Digitalisierung möglich sind. Mit analogen Mitteln gäbe es kein schnelles Internet und Homeoffice wäre ein Fremdwort. Der Nutzen für die Menschheit ist so groß, doch leider wird in manchen Bereichen die Digitalisierung noch abgelehnt. Es gibt aber dafür aber keine vernünftigen Gründe.

Wo steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern? Warum sind andere weiter?

Die meisten Händler haben zusätzlich zu ihrem stationären Handel auch noch einen Online-Shop. Die Digitalisierung macht das möglich. Viele haben ihre Shops so optimiert, dass das Angebot auch mit mobilen Endgeräten lesbar ist. Das ist zwar mehr als im Vorjahr, doch es hapert vielfach daran, dass die Unternehmen keine eigene mobile App anbieten. Viele Verbraucher kaufen ihre Waren gerne über das Smartphone von unterwegs aus ein. Fehlt die App des Unternehmens, bedeutet das weniger Umsatz, weil die Erreichbarkeit für die Kunden nicht gegeben ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Verbraucher und auch Unternehmen nicht bereit sind, auf die Digitalisierung umzusteigen. Es zeichnet sich zwar ein positiver Trend ab, weil viele Unternehmen die Bedeutung erkannt haben, aber andere Länder sind uns um Längen voraus. Das beste Beispiel sind die USA. Was die Umsetzung betrifft, so haben diese einen gehörigen Vorsprung vor Deutschland. Während sich die deutschen Händler auf facebook spezialisiert haben und Instagram kaum beachten, so sind es in den USA rund 96 Prozent, die beide Plattformen nutzen. Sind Sie auch ein Digitalisierungs-Muffel? Dann sollten Sie umdenken, denn im Grunde bringt die Digitalisierung für jeden etwas Positives. Wird Deutschland bei der Digitalisierung abgehängt, dann verschwindet das Land in der Bedeutungslosigkeit und das schadet uns natürlich auch im internationalen Wettbewerb.

Und die Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes lahmt jetzt schon gewaltig. Schuld daran ist aber auch der fehlende Ausbau des Internets über das Glasfaserkabel. In vielen Orten ist noch nicht einmal DSL vorhanden, geschweige denn ein Glasfaserkabel. Das muss sich ändern. Ansonsten bleibt Deutschland auf der Strecke. Die Vorteile der Digitalisierung müssen jedem Menschen näher gebracht werden. Wer die Vorteile einmal für sich entdeckt hat, wird auch nicht mehr darauf verzichten wollen.

Infografik: Digitalangebote ersetzen Behördengang nicht | Statista

Inwieweit hat Corona die Digitalisierung vorangetrieben?

Die Pandemie hat die Digitalisierung vorangetrieben und es deutet sich ein grundlegender Wandel in der Gesellschaft an. Bisher war das Homeoffice indiskutabel und wurde von den Firmen sogar blockiert. Das lag zum Teil daran, dass die Unternehmen es sich nicht vorstellen konnten, dass ihre Mitarbeiter zu Hause produktiv sein können. Doch Corona hat für ein Umdenken gesorgt. War in vielen Betrieben das Homeoffice keine Option, so ist es praktisch jetzt zur Pflicht geworden. Sogar im Beamtentum wurde erkannt, dass eine Digitalisierung der Verwaltung es dennoch möglich macht, problemlos in den eigenen vier Wänden arbeiten zu können. Leider haben viel zu lange die Menschen mit Bedenken gegenüber der Digitalisierung alles lahmgelegt und waren für die Ausbremsung des Fortschritts verantwortlich.

Doch wie kann das sein, dass ein solches Virus das komplette Leben des Menschen so auf den Kopf stellen kann. Schnell wurde erkannt, dass Anträge bei einem Amt auch online gestellt werden können, ohne persönlich dort zu erscheinen, oder dass die Mitarbeiter auch zu Hause sehr gut arbeiten können. Mussten Sie oft zu einer Dienstreise? Das war doch sicherlich mitunter recht lästig. Diese Zeiten sind heute auch vorbei, denn schnell wurde erkannt, dass eine Dienstreise völlig unwichtig ist. Für was gibt es denn Videokonferenzen? Zur Zeit erleben wir alle einen gewaltigen Sprung in die Digitalisierung. Es stellt sich aber die Frage, was nach Corona passiert.

Wird das so bleiben und wird die Menschheit wieder in alte Muster zurückfallen?

Wahrscheinlich eher nicht, denn wer will zurück ins Mittelalter, wenn ein Blick in die Zukunft möglich war? Von daher kann man getrost sagen, dass die Pandemie auch was Gutes hat, auch wenn das sarkastisch klingen mag. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass nur durch drastische Ereignisse die Menschen zum Umdenken bewegt werden. Warum nicht auch bei der Digitalisierung? Oder Haben Sie noch nie mit dem Smartphone einen Film gestreamt oder Musik gehört? Ohne Digitalisierung müssten Sie darauf verzichten. Laut einer aktuellen bitkom-Umfrage können sich sogar zwei Drittel der Befragten mit einem digitalen Impfpass anfreunden.

Digitaler Impfpass gefordert

Wo liegen noch die größten Schwachstellen beziehungsweise wo gibt’s Aufholpotenzial?

Um Schwachstellen bei der Digitalisierung zu beseitigen, müssen zunächst die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Digitalisierung überhaupt funktionieren kann. Das fängt bereits bei den Internetleitungen an. Ohne schnelles Internet gibt es auch keine Digitalisierung. Der Ausbau des 5G-Netzes muss demnach schneller vorangehen. Es kann nicht sein, dass es teilweise in Regionen noch nicht einmal DSL gibt. Schwachstellen gibt es auch bei den Unternehmen, wo Digitalisierung bereits funktioniert. Dazu bedarf es auch digitale Kompetenz, sprich Fachpersonal. Oftmals ist dieses in den Betrieben nicht vorhanden. Die technischen Möglichkeiten sind zwar vorhanden, aber keiner, der sie bedienen kann.

Ein weiterer Schwerpunkt ist, dass es Umsetzungsprobleme bei den Betrieben gibt. Es nutzt nichts, dass alle Unklarheiten beseitigt wurden. Es muss vielmehr auch die Arbeitsweise in den Unternehmen geändert werden. Viele arbeiten noch stur nach alten Verhaltensmustern. Damit eine reibungslose Digitalisierung überhaupt möglich ist, müssen Führungsrollen neu übertragen werden, es muss ein Digitalisierungsbeauftragter benannt werden und Hierarchieebenen müssen abgebaut werden. Die Digitalisierung ist für jeden eine Herausforderung. Auch für Sie. Stellen wir uns gemeinsam dieser Herausforderung, denn nur das bringt Erfolg.

Fotos: pixabay.com / Grafiken: statista und bitkom

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